Was ich zuerst fuer einen Versprecher hielt ist aber keiner. Roemisch Orthodox versteht unter Rom nicht Rom in Italien sondern Ostrom. Das hat mir kuerzlich ein sehr netter roemisch-katholischer Pfarrer, der fuer das deutschsprachige Erntedankfest eigens aus Kairo angereist kam, erklaert. Er hat dann die Messe in evangelischer Liturgie abgehalten, mit ein paar katholischen Elementen, wie er vorher erklaert hat. Wenn ich bei mir aus dem Fenster schau, sehe ich zu den Franziskanern hinueber, ein blaues Neonkreuz liegt knapp 5 Meter links von dem gruenen Neonlicht, mit dem hier die Minarette der Moscheen ausgestattet sind. In der Ommoayaden Moschee findet man den Schrein des Johannes des Taeufers und ich erfahre von meinen palaestinensischen sunnitischen Sprachlehrer, dass die heilige Maria die am meisten verehrte Frau des Islam ist. Ja, so geht das hier alles drunter drueber und es scheint sich doch jeder recht gut zurechtzufinden.
Ich werde im folgenden ein paar Eindrueck schildern, die wir gemacht haben. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich alles richtig verstanden habe und ob alles korrekt ist, aber ich werde es nach und nach erfragen bzw. korrigieren.
Am ersten Tag sind wir gleich ueber den Suq in die Ommayadenmosche geschlendert. Der Hauptraum hat sich fuer uns, die wir die ganze Nacht gereist sind, als erholsamster Ort erwiesen. Wer genau schaut, sieht auf dem Bild bereits die ausgestreckten Fuesse vom Papa.
In dem Buch von Naipaul, das mir Claudia Koreiemann als Lekture in die Hand gedrueckt hat und das ich gerade lese, unterhaelt sich der Autor mit einem (pakistanischen?) Moslem und der sagt, das das Alte Testement und die juedische Religion vor allem aus Regeln besteht wohingegen die christliche Religion vor allem auf Barmherzigkeit beruht. Der Islam, eben die letzte, auf den Erfahrungen aufbauende Religion sei die gelungene Mischung aus Regeln und Barmherzigkeit. Wir konntet das in der Moschee erfahren: ca. alle 30 Minuten kam jemand mit einem Steckerl und man musste sich dann ordentlich gerade hinsetzen. Sobald er dann um die Ecke war, haben sich die Ruhebeduerftigen allesamt wieder hingelegt.
Auf dem Weg zu der mir anempfohlenen syrisch-othodoxen Pfarre sind wir einem griechisch-orthodoxen Pfarrer ueber den Weg gelaufen, der hat uns zu einer Ausstellung eingeladen. Religionsunterrichtsbilder eines 12-jaehriges Maedchens wurden ausgestellt. Wir waren sehr ueberrascht von den Blumengestecken aus Lilien beim Eingang, den Bobbondamen im Minirock, dem Fernsehteam, dem wie eine Ballkoenigin geschmueckten Kind und der flattrigen Mama.
An meinem ersten Tag, an dem ich bei Umm Selim eingezogen bin, konnte ich gleich erfahren, dass sie roemisch-katholisch ist, weil sie mich gleich mitgenommen hat in ihre Kirche gegenueber auf der Strasse. Da war ein grosser Feiertag, Besuch aus Rom, es wurden zwei Ordensbrueder aufgenommen. Was hier aussieht als waere es in Mariazell oder aber jedenfalls in einem barocken europaeischen Kirchengebaeude, ist die Kirche der Franziskaner.
Den Geraeuschen nach zu urteilen hatte ich zuvor gedacht, es handelt sich um eine Hochzeit, es gab Autohupen, die uns mittlerweile schon vertrauten Gestecke, und vor allem auch TRommelwirbel und Trompetengeblase. Nachher im Hof konnte ich dann die Brigade der Franziskaner bestaunen. Es scheint fast, als sollte zu den mit Mikrofonen ausgestatteten Minareten ein kleines Gegengewicht in punkto Geraeusch geschaffen werden. Oft kann man ausserhalb der verschiedenen Kirchen solceh Trommeleien hoeren, oftmals wahrscheinlich auch einfach die Probenarbeit der Jugend...
Als Umm Selim am Abend vor den anderen meine besonders schoene Gebetshaltung lobte (ich habe mich hingekniet), war ihr Plan gefasst: sie wird mich und Micheline nach Sednaya ausfuehren. Das Zentrum der roemisch-orthodoxen Kirche (ich zu 90% sicher, sollte das aber nochmal nachschauen). Jedenfalls ein surrender, aktiver Ort, der in den 50-iger (oder 70-iger?) Jahren auf uraltem Gemaeuer neu aufgebaut wurde. Hier eine Nonne, die sah sehr lieb aus:
Hier die Vorderansicht. Dieser Ort wird von weither besucht, auch aus dem Libanon, Jordaniern, der Tuerkei etc.
Wenn ich alles richtig verstanden zeigt das Bild darunter die in Damaskus dazupassende Kirche, die auch die bei weitem am groesste der christlichen Gemeinden hier ist. In dem Kirchenraum waren link eine paar aeltere Frauen, die haben sich sehr angeregt unterhalten. So wie es auch selbstverstaendlich war, dass in Sednaya alle Leute ihre Jause mitgebracht haben und oben in einem Innenhof gemuetlich verspeist haben.